Eike Elser

Die Sache mit dem Konsum

Posted in Bemerkenswert, Ungefiltert by ER on 23. Januar 2009

Ich kenne die Auswirkungen des ungezügelten Konsums, sehe die Unsinnigkeit dieses Treibens, erkenne die Nutzlosigkeit des Überangebots und bin mir der Minderwertigkeit vieler Produkte bewusst. Doch wenn ich ehrlich bin, kann ich mich von den Konsumterror nicht freisprechen.

Nachdem ich lange vergeblich versucht habe, mein Verhalten zu ändern, frei nach dem Motto „jetzt setz endlich um, was du besser weißt“, hinterfrage ich jetzt erst mal den Wirkmechanismus.

Von klein auf an imitieren wir, machen das was uns vorgelebt wird, nehmen begierig auf, was die Umwelt uns präsentiert. Doch alles was wir sehen ist Besitz, etwas haben, etwas können, Massen von Geräten und Gegenständen. Die Umwelt schreit das Kind buchstäblich an. Dazu kommen die jahrelang trainierten Verhaltensmuster:

„Lerne, damit etwas aus Dir wird.“

Der Mensch im Kind ist aber schon, ganz ohne lernen…?

„Du kannst das doch (noch) nicht.“

Andere können/wissen es besser als Du.

„Das macht man nicht.“

Deine Wünsche/Vorstellungen zählen nicht, was zählt ist das Maß der anderen.

Um es klar zu stellen – mir geht es nicht darum, danach zu fragen, warum wir unsere Kinder derart verunsichern. Ich beschreibe lediglich einen Zustand.

Aus dem systematisch demontierten

Selbstwertgefühl (ich habe kein Gefühl für meinen Wert),

Selbstvertrauen (ich vertraue mir weniger als anderen)

und der Selbstachtung (ich bin ja weniger als andere)

erwächst ein überproportional gesteigertes Bedürfnis nach Bestätigung. Andere sind nötig aber auch verantwortlich dafür, dass es mit gut geht/wie ich mich fühle. Um aber diese Bestätigung, die nötige Anerkennung zu erhalten, muss ich etwas herzeigen können (einfach ich sein reicht ja nicht s.o.). Um allerdings etwas herzeigen zu können, muss eine tolle Leistung (in den Augen anderer) vollbringen, was mir mangels Selbstvertrauen u.ä. schwer fällt und auch mühsam ist. Einfacher ist da der Umweg über materialistische Qualitäten (z.B. Besitz). Angefangen vom aufgeräumten Vorgarten, über das Auto bis hin zum neuen Fernseher oder den tollen Urlaub und so weiter. Der „Konsum“ dient also als Krücke, als Krücke bestehende Defizite auszugleichen.

Wenn ich also wieder mal etwas haben will, etwas besitzen möchte, gräme ich nicht mehr mit meiner Unzulänglichkeit, sondern freue mich über die obige Erkenntnis und sage zu mir „das braucht Du nicht“. Das zu entwickeln allerdings dauert, denn die lang gelernten Mechanismen und eingeredeten Gefühle sind noch immer präsent. Da ich erkannt habe, was Besitz und, Konsum für mich bedeuten, kann ich jetzt daran gehen, meine Bedürfnisse auf anderem Wege zu befriedigen. Doch auch das ist schwierig, denn zuerst muss ich mir meiner Bedürfnisse bewusst werden (will ich das neue Auto, oder doch eher den Neid meiner Nachbar oder vielleicht einfach das eigene Gefühl etwas wert zu sein) und dann erkennen, dass ich sie NUR SELBST befriedigen kann. Angefangen mit dieser persönlichen Unabhängigkeitserklärung geht es dann los.

Willkommen zum Abenteuer des selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Lebens. Wer nun glaubt, all dies sei leicht und schnell zu erledigen, sei angenehm, der möge doch bitte weiter den billigen Weg über teuere Krücken nehmen. Ach ja, und das auch noch: ein zu zahlender Preis ist das Unverständnis, ja sogar die Ablehnung meiner Mitmenschen, die ja auf einmal die Macht über mich verloren haben.

Eike Elser

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